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Eröffnung der Ausstellung


"mutterSPRACHe" - Die Hemmnisse der Integration
Malerei und Skulpturen von Saman Kareem Ahmed und Sazgar Salih (Graz/Irak)
mit einer Einführungslesung von August Schmölzer

"Seit sechs Jahren krabble ich wie ein Kind vor den gigantischen Worten der deutschen Sprache. Seit sechs Jahren, genau wie in meiner Kindheit, betreibe ich das Versteckspiel mit den Worten, das Murmelspiel mit den Buchstaben und das Seilspringen mit den deutschen Sätzen ..."
Saman Kareem Ahmed - als Erwachsener zurück in die Rolle des Kindes geworfen, das zögernd nach den rechten Begriffen tastet, um sein Selbst zum Ausdruck zu bringen - zeigt, was mit ihm passiert, wenn die Sprache seiner neuen österreichischen Identität seine Muttersprache ablöst. Der Schauspieler und Schriftsteller August Schmölzer wird diesem einmaligen Ausdruck der Selbstentfremdung seine charakteristische Stimme verleihen und so die Tür in Saman Kareem Ahmeds und Sazgar Salihs Bildwelt öffnen.



Vernissage: Freitag 10.02.2017 um 19.00
Eröffnung: Kerstin Eberhard
Dauer der Ausstellung 11.02. bis 03.03.2017

Fotoalbum


saman

Das seit Jahren in Graz lebende kurdische Künstler-Ehepaar Saman Kareem Ahmed und Sazgar Salih befindet sich mitten im Prozess der Integration. In der Ausstellung werden Kunstwerke zu sehen sein, welche das zentrale Problem der Kommunikation versinnbildlichen. Beide Künstler waren dazu bereit, dezidiert zum Thema Muttersprache Werke zu erstellen.

Sie lassen uns an ihren individuellen Grenzerfahrungen teilhaben, indem sie auf der künstlerischen Metaebene frei nach Wittgensteins Erkenntnis "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt" genau jene sprachlichen Hindernisse und all die anderen Barrieren überwinden, um aus den im Weg liegenden Steinen (visuelle) Brücken zu bauen.

saman

Schreibt uns unser Lebensweg vor, in eine neue "Muttersprache" zu wechseln, erfahren wir durch die eingeschränkten sprachlichen Möglichkeiten eine "Verstümmelung" des Selbst und unserer bislang vertrauten Welt. Denn das, was Mutter einst zu uns sprach, verliert in der neuen Lebenswelt und fremden Kultur an Gültigkeit. Die mangelnden Möglichkeiten der Kommunikation führen zunächst in eine Isolation, die überwunden werden muss. Gelingt dieser Schritt, kann die gefühlte Verstümmelung zugleich eine Chance sein, über bisherige Grenzen hinauszuwachsen, um als Teil der neuen Gesellschaft einen passenden Platz zu finden.

Die Werke von Saman Kareem Ahmed evozieren äußerst konkret mit dem Thema "Sprache" und "Mutter" die Hemmnisse der Integration. Er befasst sich mit dem Ringen um das Erlernen einer neuen Sprache und dem inneren Konflikt, die vertraute Muttersprache zugunsten einer fremden Ersatzsprache außen vor zu lassen. Wie in einem Buch mit sieben Siegeln gefangen, wiederholt er in seinen skulpturalen und bildnerischen Werken die für ihn kryptischen Buchstaben des deutschen Alphabets in einer Art Endlosschleife. Wobei er sich in einem grafischen Selbstporträt mit einem zugeklebten Mund darstellt, um seiner anfänglichen Sprachlosigkeit Ausdruck zu verleihen.

Sazgar Salih arbeitet hingegen mit visuellen Eindrücken, welche sie der noch unbekannten Umgebung entlehnt und damit aus dem zunächst Fremden eine neue, aber codierte (Bild-) Heimat erschafft. Ihr erster Eindruck bei der Ankunft in der Steiermark war, laut ihren eigenen Worten, die Unfassbarkeit des vielen Grüns. Das führte sie dazu, sich die neue Landschaft innerlich anzueignen, in eine Bildsprache zu übersetzen und markante Segmente der Natur (z. B. Baum- oder Blattumrisse) mit anderen geometrischen Formen und Linien in ein Zwiegespräch zu bringen. Diesen Dialog zwischen der neuen Natur und ihrer Sehnsucht nach einer neuen und beständigen Heimat transferiert sie in das Medium Leinwand als (Lebens-) Raum.

Kerstin Eberhard, Graz 2017



Lesung und Finissage: Freitag, 03.03.2017 um 19.00 Uhr

Bettina Messner liest aus „Senta bremst ein“ und „Senta gibt Gas“

Eintritt: € 5.-
Eine Kooperation mit dem Verlag edition keiper.


Galerie Blaues Atelier
Annenstraße 33, 8020 Graz
Tel.: 0650/81 71 610
florinda@florinda.at
Geöffnet: Di., Mi., Do., Fr., 15-18h
Und zusätzlich nach telefonischer Vereinbarung