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N . E . W . S

 
„LITTERED - müllSPUR“
Eine interaktive Installation
von Andrea Sadjak (Graz, A)
November 2017
Ulla Puntschart
Lesungen, Finissage
„Der Hort der Gepiden, Teil 2:
Das Rad der Fortuna“
Dienstag 23.11.2017
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„LITTERED - müllSPUR“

Eine interaktive Installation von Andrea Sadjak (Graz, A)

Ausstellungseröffnung
Dienstag 07.11.2017 um 19:00h
Begrüßung und Einführung ins Werk: Kerstin Eberhard
Dauer der Ausstellung: 8.11. bis 23.11.2017

"LITTERED - müllSPUR"

Andrea Sadjak

Eine am Vernissageabend an der Eingangstür der Galerie Blaues Atelier angebrachte SCHWELLE aus Ton lädt das Publikum dazu ein, einen Fußabdruck im Ton zu hinterlassen. Doch welcher Zusammenhang besteht zwischen einer Fährte und der weit verbreiteten Müll-Wegwerfmentalität?

In ihrer jüngsten Arbeit beschäftigt sich die konzeptuell arbeitende Keramikerin Andrea Sadjak mit den Plastikabfällen unserer Gesellschaft. Das Publikum ist am Eröffnungsabend ein wichtiger Teil der Ausstellungsinstallation: Um in den Ausstellungsraum gelangen zu können, wird es eine (Tür-) Schwelle aus formbaren Ton betreten müssen. Somit hinterlässt es in dieser interaktiven Anfangssituation erste Spuren, die von jeder nachfolgend eintretenden Person mit deren neuem Fußabdruck automatisch überschrieben werden. Im Speichermedium Ton entsteht so ein plastisches Bildwerk das optisch vermittelt, dass jeder unserer Schritte und jede unserer Handlungen unweigerlich einen "Abdruck" oder eine "Spur" auf dieser Welt hinterlässt.

Seit über 50 Jahren wurden über 8 Milliarden Tonnen Plastik durch Menschenhand produziert. Tendenz stark steigend. Was irgendwann als Plastikteil einen Nutzen dann aber irgendwann ausgedient hat, landet schließlich gasförmig, weil verbrannt in der Luft, rottet auf Mülldeponien ewiglich vor sich hin oder endet irgendwann im Meer.

Von daher ist es ein naiver Irrglaube anzunehmen, etwas, dass einmal produziert wurde, könnte ohne Auswirkungen zu hinterlassen, wieder von dieser Erde oder aus der Erdatmosphäre verschwinden.

Es gibt in den Weltmeeren fünf gigantische große Müllteppiche, die in Strudeln mit sich selbst Karussell fahren. Der größte Müllteppich von ihnen soll eine Fläche doppelt so groß wie Deutschland haben. Und natürlich befinden sich noch viele weitere kleine Plastikmüllstrudel- und Teppiche in den Ozeanen. Ein Großteil der bislang produzierten 8 Milliarden Tonnen Plastikprodukte treibt im Wasser, lagert sich als Müll am Meeresboden, an den Stränden und direkt in den Vögeln, Fischen und Meeressäugern ab und ein. Letztlich gelangt das Plastik durch chemische Zersetzungsprozesse stark verkleinert durch die Nahrungskette in unseren Organismus zurück.

Andrea Sadjaks Spurensuche begann mit dem Aufsammeln einzelner Müllteile bei Aufenthalten am Meer. Der Ozean retourniert, ähnlich wie ein Bumerang fliegt, das, was er biologisch nicht verwerten kann, an seinen Absender - die Menschheit - zurück.

"Ich kenne so viel Müll im Wasser nur von Internetfotos. Damit leibhaftig konfrontiert zu werden ist eine andere, sehr einprägsame und unangenehme Erfahrung", so die Künstlerin.

Um dem Publikum eine weitere spürbare Erfahrung zu ermöglichen, werden zusätzlich zur Ton-Schwelle im Eingangsbereich der Galerie, kleine Felder aus bearbeitbarem Ton als Aktionsfläche bereitgestellt und laden dazu ein eine Bewegung umzusetzen. Die ausgeführte Handlung oder Bewegung lässt erneut Abdrücke als Relikt und Form einer vergangenen Anwesenheit entstehe. Im Ton sichtbar, fühlbar und dokumentiert. Im Gewahrsein dieser Texturen ist es möglich der Fährte seiner eigenen Entwicklung zu begegnen. Bewusstwerdung findet statt. Der Ton als eines der ältesten Menschheitsmaterialien fungiert als erdiges Arsenal und die durch die Handlung entstandene reliefartige Tonplatte wird zu einer Aufzeichnung mit hieroglyphischem Charakter. Diesen jeweils persönlichen Print in seiner ureigensten Form sichtbar zu machen ist das Kernanliegen der vorliegenden künstlerischen Arbeit. Die Oberfläche des Tons bezeichnet die Grenze, den Kontaktpunkt zwischen dem Einen (Mensch, Körper) und dem Anderen (Ton, als formbares natürliches Ur-Material). An diesem Kontaktpunkt geschieht Berührung und daraus resultiert Erfahrung, die wiederum eine neue Bewegung herausfordert. Der menschliche Körper als Speichermedium aller Erfahrung kommt somit in den Ausdruck. Und durch den Eindruck in den Ton wird dieser zum Gedächtnis des Dagewesenen. An diesem Abend kann man (körperlich) erfahren: Was man tut hat eine Wirkung, deren Ursache man selbst ist.

Kaufe ich einen Fleece-Pullover und trage diesen als Kleidung, so werde ich ihn auch von Zeit zu Zeit waschen müssen. Da bei jedem Waschgang ein Kunststoffabrieb stattfindet, landen unzählige kleine Plastikpartikel als Mikroplastik im Meer. Ähnlich verhält es sich bei dem Benutzen von Zahncreme, Peelings, Körperlotionen, Duschcremes und Lippenstiften. Doch unser Bewusstsein verdrängt dieses Wissen gerne. Der Plastikmüll im Meer schiebt somit eine breite Spur alltäglicher, achtloser menschlicher Handlungen vor sich her. Dem entgegen setzt die Künstlerin die Arbeit mit Ton. Einem absolut natürlichen und problemlos abbaubaren Material, dass zudem in gebranntem Zustand - also als Keramik - ohne weiteres Jahrtausende überstehen kann ohne die Umwelt oder Lebewesen zu schädigen.

Andrea Sadjak

Andrea Sadjak BIOGRAFIE: 1968 in Graz, lebt und arbeitet in Graz, sie betreibt als Mitglied ein Atelier im SCHAUMBAD, Freies Atelierhaus Graz.
Studium der Architektur und Kunstgeschichte in Graz und Wien, Lehrgang für Malerei an der Wiener Kunstschule, Lehrgang für Keramik an der Wiener Kunstschule, Meisterschule für Kunst und Gestaltung - Keramische Formgebung in Graz. Weiterbildungen in Ofenbau, Drehen und Porzellan, Oberflächengestaltung.
Derzeit: Ausbildung zur ARBEIT AM TONFELD ® nach Prof. Heinz Deuser am Institut für Haptische Gestaltbildung (Gerhild Tschachler-Nagy), (Wien/Kärnten).


PREISE:
2015 Ausstellungsstipendium der Akademie Graz
2014 Gestaltung des 28. Grazer Kleinkunstvogels für "Hin & Wider", Grazer Theathercafé
AUSSTELLUNGEN:
2017 "TON.ERDE.LEHM", Artist in Residence Kulturverein KULM, und Ausstellungsbeteiligung TON.ERDE.LEHM, Pischelsdorf Stmk.
2017"Dinge der Liebe", Akademie Graz
05/2016 "NOMOREHOME", Gotische Halle, Graz
2016 "100 Jahre Weltübergang, DADAHOME" im Schaumbad Graz
12/2015 "MOLPID auf Reisen", Galerie Werkstatt NUU, Wien
10/2015 "MOLPID auf Reisen" Eichgrabner Kulturherbst
07/2015 "poetisch und/oder surreal", Diplomausstellung, Ortweinschule Graz
04/2015 K.i.Ste - Keramik im Steinbruch, Oberpullendorf
12/2014 "Tanz mit dem Tod", Jubiläum der Hospizakademie, Universität Graz
04/2014 "teilen", Schloss St.Martin, Graz
04/2013 K.i.Ste Oberpullendorf
12/2012 Galerie Daliko, Krems
10/2012 OPENING, Eröffnungsausstellung des Ateliers in Eichgraben
2007 NÖ Landesaustellung "Feuer und Erde" / Töpferpavillon
2005 "Kunst im Park", Türkenschanzpark Wien
2005 K.i.Ste Oberpullendorf

Text: Kerstin Eberhard, Zitat Andrea Sadjak (in Anführungszeichen und kursiv)
Fotocredits: Andrea Sadjak/Iris Kaspar/Chris Strassegger/Galerie Blaues Atelier
1 und 2 und 3, Quellen zur Meeresverschmutzung (im Text kursiv):
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-295913.html und
http://plastikmeer.plasticontrol.de/plastik-im-meer/plastikinseln/ und
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/plastik-menschen-haben-mehr-als-8-milliarden-tonnen-produziert-a-1158676.html und
https://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/174380/index.html
Website Andrea Sadjak: Andrea Sadjak

Galerie Blaues Atelier
Annenstraße 33
8020 Graz
Tel.: 0650 8171610
Geöffnet: Di., Mi., Do., Fr., 15-18h
Und zusätzlich nach telefonischer Vereinbarung